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Ideologieverschiebungen als Identitätsverschiebungen der Spätmoderne

von am 25.11.2011 09:05, Rubrik philosophisches-politisches

aerosol.cc freut sich Marko Novosel als Gastautor im Blog begrüßen zu dürfen.

In seinem ersten Beitrag beschäftigt er sich mit der Finanzkrise, die die europäische Gemeinschaft in eine tiefe Krise gestürzt hat. Er spielt mögliche Szenarien und Szenen durch, die auch mehr oder weniger tiefe Ausgänge anbieten sollen.


von Marko Novosel

Die EU-Ideologien fungieren dazu, dass die Nationalstaaten scheinbar immer marginaler und immer mehr durch die Marktideologien ersetzt werden. Als Reaktion darauf entstehen im gesamten EU-Raum reaktionäre nationalistische Tendenzen, die sich gegen die neoliberalen Markt-Ideologien kaum werden behaupten können. Die aktuellen politischen und ökonomischen Eliten scheinen ideologiefreien, rein technokratischen Machterhalt „par excellence“ samt marktorientierter Selbstbereicherung zu exerzieren; wenn nicht Zeit ihrer politischen Laufbahn, dann zumindest nach dem Wechsel in den freien Markt. Der Glaube an die staatlichen Allgemeinwohlideologien scheint ausgehöhlt; der Wert staatstragender universitärer Bildung verliert ebenfalls an Markt-Wert. Diese Tendenz lässt sich in einer Umwertung des kulturellen Kapitals feststellen, das als einverleibtes Staatskapital (z.B. mittels Schul- oder Universitätsbildung) innerhalb der Moderne seinen strukturstabilsierenden Zweck erfüllte. An den Fachhochschulen werden hingegen Marktstrukturen eingeübt und einverleibt, indem man so zu denken, zu fühlen und wahrzunehmen lernt wie der Markt selbst, während man selbiges früher innerhalb der staatlicher Institutionen erlernte. Solange die Staatsstrukturen noch nicht etabliert und in den Köpfender Menschen verankert waren, wurden die tertiären Bildungsabschlüsse am Arbeitsmarkt dadurch belohnt, dass man hohe Chancen hatte in staatsnahen oder staatlichen Institutionen unterzukommen. Dies hat sich mit den Turn von keynistischen, postfordistischen zu den neoliberalen Ideologien des schlanken Staates und selbstregulierenden, selbstreferentiellen und autopoietischen Marktstrukturen entschieden geändert.
Es wäre durchaus denkbar, dass sich die FHs in naher Zukunft direkt und ausschließlich von den Märkten finanzieren lassen und in weiterer Folge den Universitäten das Primat der tertiären Bildung abnehmen. Gleichzeitig werden die Staatsuniversitäten privatisiert und somit den FHs immer ähnlicher gemacht, sodass der Kampf zwischen Staatsbildung (Humboldt’sches Bildungsideal) und Marktbildung (Bildung als Marktware) dann eindeutig zu Gunsten des Letzteren entschieden wäre. Wir würden dann einen Staat bekommen der wie ein Konzern geführt wird und dazu verpflichtet ist Gewinne vorzuweisen und der auch seine Staatsanleihen an den Börsen handelt. Die ganz patriotischen Staatsbürger könnten sich dann ein Stück Staat kaufen und Staatskunden werden. Da der Student bereits einem Kunde und das Anmeldesystem immer mehr einem Marktcasino gleicht, wo man mittels geschickter Einsätze Kursgewinne verbuchen kann, könnte man meinen, dass die neoliberale Ideologie die Organisationsweisen der bis dato staatlichen Strukturen immer mehr bestimmen. Es wundert nicht, dass diverse Glücksspiele und Pokerturniere Hochkonjunktur haben, da nicht nur die Arbeitswelt sondern auch die Märkte sich nach diesen Casino-Prinzipien sich strukturieren und den Bereich „Human Ressource“ nach eben selben Aspekten bewerten, abstufen und rekrutieren. Aktuell findet ebenfalls innerhalb der Kultur- oder Konsummärkte eine kulturelle Umwertung statt; Pop-Kultur, als marktideologische Reinkultur des Massenkonsums samt massenmedial propagierter Verbreitung, hat die staatlich geförderte Hochkultur vom Thron gehoben. Wenn in der Moderne die persönliche Identität mittels ihres kulturellen Kapitals dazu geführt hat, den Staat selber aufrechtzuerhalten, dient heute, in der Spätmoderne, der Aufbau einer konsumorientierten und auf Erlebnis (Lifestyle und Genuss) ausgerichteten Identität dazu, die Märkte und damit die Großkonzerne selbst zu tragen. Dies ist eine klare Ideologieverschiebung von der Hochkultur zur Populärkultur, die sich nicht mehr innerhalb einer staatlich kontrollierten Öffentlichkeit, sondern innerhalb (mitunter virtueller) Netzwerke oder marktkontrollierter Medien (die größten Verlage sind in der Hand der Großkonzerne) organisiert. Wenn Staatsstrukturen früher die bürgerliche Persönlichkeitsbildung an der Hochkultur einforderten, so werden heute mit derselben emsigen Beflissenheit die Marktstrukturen eingefordert. Diese werden mittels des Waren-Dienstleistungs- Medien- und Freizeitkonsums einverleibt und innerhalb der virtuellen Netzwerke abgerufen und performt. Wenn früher die feudal-aristokratischen gegen die bürgerlich-bürokratischen Ideale ins Feld zogen, so ereignen sich heute ganz andere aber ähnliche Ideologieschlachten. Die Nationalideologien werden von den EU-Ideologien abgelöst. Ein Beispiel dafür ist die Bologna-Reform, wo sichtbar wurde, dass staatliche Monopole auf nationales kulturelles Kapital europaweit aufgehoben wurden. Entweder wird es die EU schaffen, Strukturen für Räume bereit zu stellen, in denen eine institutionell geförderte multieuropäische Kultur sich ausbreiten kann, die naturgemäß auch hybrid ausfallen wird oder sie wird aufgelöst. Diese hybride multieuropäische Kultur könnte ein Gegengewicht zur massenmedial vermarkteten Populärkultur anbieten. In dieser Hinsicht gilt es ebenfalls paneuropäische Forschungen, Kunst- und andere Kulturprojekte auszubauen, sowie multieuropäischen Austausch nicht nur schulisch universitär, sondern auch marktpolitisch und multimedial zu fördern. Die EU muss gelebt werden, präsent und begreifbar und im Alltag der Menschen sein, mindestens genauso wie der Konsum der Populärkultur in den massenmedialen Strukturen eingebettet sind. Die rapide Verbreitung neoliberaler Marktideologie hat dazu geführt, dass sich die ehemals der nationalstaatlichen Allgemeinheit verpflichteten Parteien wie private Konzerne gerieren, indem sie den Staatsbetrieb zu Marktraum und Selbstbedienungsladen auserkoren haben. Gleichzeitig verändern sich persönliche Ziele, Werte und Interessen. Die spät-modernen individualistischen Ideale des Narzissmus und Hedonismus, des Selbstgenusses, des Lustprinzips und der Spaßkultur als Konsumideologien, sind nichts anderes als getarnte Marktideologien, die sich gegen die Staatsideologien der Hochkultur durchgesetzt haben und insbesondere aber im massenmedial verbreiteten Mainstream propagiert werden. Da sie von dem Einzelnen unreflektiert und vorintentional einverleibt worden sind, werden sie auch von dem Einzelnen dann auch praktiziert, getragen und aufrecht erhalten, als etwas selbstverständlich-Naturgegebenes und nicht als etwas vom Markt konstruiert-Gewordenes. Dies führt dazu, dass jegliches Engagement an den staatsinstitutionellen Strukturen (Engagement an der Allgemeinheit) nach persönlichen Mehrwert-Interessen bewertet wird. Die Marktideologien getarnt als Individualinteressen haben dabei die Staatsideologien längst schon abgelöst. Der Dienst an der Allgemeinheit kann nun als Vorwand genommen werden, um den Staat für das Verfolgen eigener Interessen zu benutzen. Auch der Staatsmann als Politiker bewertet tendenziell sein Amt nach ökonomischer Marktlogik und nicht den Markt nach der Staatslogik oder EU-Logik des Gemeinwohls, einige Ausnahmen in Ehren. Dazu sind die Verflechtungen von Wirtschaft und Politik bereits zu engmaschig, da sich die Letztgenannten über Spenden und somit indirekt auch über die Märkte finanzieren lassen. Der Konsum als die neue Chefideologie der Spätmoderne fördert den Individualismus als selbstbezogenes Interesse, das in der Regel mit dem Marktwachstum auch eins zu eins korrespondiert. Dadurch bilden sich jedoch neo-feudale Tendenzen, wo Einzelne monopolistisch oder oligarchisch über bis dato allgemeine staatliche Vermögen und Ressourcen verfügen. Das Versprechen der individuellen Selbstverwirklichung (Karriere) durch Leistung, Selbstverantwortung, lebenslanges Lernen u.ä. garantieren, dass der wirtschaftliche Markt und somit die ganze Wirtschaft scheinbar unerschöpflich weiter wachsen kann. Empirisch führt es dazu, dass die Realwirtschaft stagniert und bei gleichzeitigen immer höheren Einsätze im Spielcasino – auch Börse und Investmentbanken genannt – gespielt werden wird. Dies führt dazu, dass die korporativen Großkonzerne immer mehr Spielgeld an der Börse anstatt in die eigenen Mitarbeiter oder Produktionsstätten und Produkte zu investieren. Dadurch wachsen die Konzerne und deren Jahresabschlüsse und die Managerboni, aber nicht die Gehälter der Arbeiter und Angestellten. Der Staat aber auch die EU spielt nach diesen Regeln mit anstatt die Spielregeln der Märkte selber im Sinne des Allgemeinwohls der Bevölkerung die sie gewählt hat zu regulieren. Der stumme Zwang der Verhältnisse der es nicht anders erlauben würde sticht meistens als Hauptargument. Dadurch lösen sich gemeinschaftliche Verpflichtungen und wechselseitigen Solidaritäten immer weiter auf.
Die Markt-Ideologie erzielt nämlich nur einen Mehrwert, indem man seine eigene Individualität mittels dieses selbigen Marktes aufbaut und aufrechterhalten kann. Dies wird kurzfristig dazu führen, dass auch institutionelle staatliche Strukturen so beschaffen sein werden, dass sie mehr Individualismus und somit mehr marktideologischen Wachstum garantieren können. Dabei wird es Europa entweder gelingen müssen eine EU-weite erfolgreich durchgesetzte Hochkultur(en) von oben hochzustilisieren, beispielsweise mittels einer eigenen Verfassung und anderen institutionellen Organen, oder eventuell Strukturen zu schaffen oder eine Herausbildung zivilgesellschaftlicher regional-lokaler Kultur von unten ermöglichen, um der marktideologischen Konsumkultur auf den Märkten adäquat Paroli bieten zu können. Der moderne Staat erfüllte zugleich zwei Funktionen; er sicherte erstens das vormoderne Allgemeininteresse (jenes der ehemaligen Gemeinschaft und nun der freien Bürger) und zweitens ermöglichte er das Herausbilden von individuellen Selbstinteressen, indem er das Öffentliche vom Privaten trennte. Die Ausbildung individueller Persönlichkeit wurde dadurch garantiert, dass die öffentliche Sphäre der Allgemeininteressen von der Sphäre der Marktinteressen getrennt und dadurch geschützt wurde. So war es frei, privat der traditionellen-kollektivistischen Gemeinschaft zu dienen oder individuellen modernen Interessen nachzugehen, solange man die öffentlichen Institutionen der Staatsstrukturen anerkannte und mittels der Bildung verinnerlichte. Diese traditionelle vormoderne kollektivistische Gemeinschaft könnte nun mit der EU ersetzt werden. Dazu muss sie erst die soziokulturellen Formen, Codes, Werte und Praktiken bereitstellen aus denen sich gesamteuropäische Identitätsstrukturen erst herausbilden könnten.
Die öffentliche Sphäre wird derzeit in der Spätmoderne vom Markt und von den Konzernen immer weiter ausgehöhlt und weitläufig ersetzt die EU musste eine Gegenkraft dazu anbieten indem EU-weite multieuropäische Forschungsstätten und Universitäten gebildet werden wo auch europäische Ideologien, Werte und Fächer gelehrt werden und ein verstärktes EU-Bewusstsein entstehen kann. Die Wirtschaft alleine reicht bei weitem nicht aus um Europa zusammen wachsen zu lassen, erst indem ich familiäre Bande, Freundschaften, Partnerschaften und Bekanntschaften mit beispielsweise griechischen Kommilitonen geschlossen habe, wird man auch bedingungslos ihnen auch finanziell helfen, da man sie dann als vollwertige Gemeinschaftsmitglieder wahrnehmen werde. Die öffentliche Sphäre war früher einmal die Staatssphäre, in der man als Bürger seinen Staatspflichten nachging, nämlich indirekt den Staat zu feiern oder anzuerkennen, über die moderne Geselligkeit mittels staatlich institutionalisierter Vereine, wo sich staatliche-moderne Beziehungen etablierten konnten. Insofern ersetzte die Freundschaft als moderne Institution die vormoderne Verwandtschaft des Blutes. Innerhalb der Vormoderne kannte man den Freundschaftskonzept noch nicht. Die spätmodernen Freundschaftskonzepte befinden sich jedoch aktuell im Wandel, da sie nicht mehr dem Staat, sondern dem Markt dienen sollten, und nicht mehr der Staatsinteressen sondern der Marktinteressen halber eingegangen werden. Da sollte die EU entgegenwirken indem sie EU-weite soziale du nicht nur ökonomische Verflechtungen fördert und ermöglicht indem beispielsweise verpflichtende Schul- oder Zivil- Austauschjahre innerhalb der EU eingeführt werden, sowie multieuropäische Institutionen gegründet werden die EU-weit agieren du den Menschen einerseits Jobs und andererseits Kontakte zu anderen EU-Ländern ermöglichen.
Das spätmoderne Individuum ist nur sich selbst (seinem eigenen Selbstgenuss), und somit in Analogie dazu, nur dem Markt verpflichtet. Wenn sich der Markt selbst regelt, ist das Individuum nur seinem Selbst verpflichtet. Seine Persönlichkeit, die es aus dem Konsum verschiedenster Marktangebote zusammenstellt, ist der Mehrwert, durch den sich seine moderne einheitliche Kohärenz verliert. Der Einzelne mutiert zum proteisch- multiplen Selbst aus oftmals paradoxen Strukturen, die jedoch durch die Marktstrukturen gedeckt und aufrecht erhalten werden, da die Identitätsstrukturen wie die Markt-konsum-strukturen organisiert sind und als solche auch zu funktionieren haben. Dieser Prozess ist jedoch nicht ganz abgeschlossen, denn der Staat kümmert sich um jene, die der Markt nicht braucht und gewährt ihnen Schulungs- und Ausbildungsmaßnahmen, damit sie über das System Staat den Markt stützen und auch an jenen herangeführt werden. Dies soll ebenfalls die EU übernehmen indem sie einen EU-weiten Arbeitsmarkt einrichtet und es den Menschen erleichtert multieuropäische Jobangebote anzunehmen. Das Problem des derzeitigen neoliberalen Wirtschaftssystems ist es, dass es überflüssige Humanressourcen produziert, die weder dem Markt noch dem Staat dienen, die aber mittels Konsumgeld ruhiggestellt und zum Verbleib im System angeregt werden sollen. Sie sind überflüssig, da sie sich nicht selbsttätig, weder in den Markt integrieren können noch die Konsum- und Markt-Ideologien geschweige denn die Staatsstrukturen (Kultur-Ideologie) verinnerlicht haben. Dieses wird dann nachträglich mittels „lebenslangen Lernen“ und anderen Fortbildungsmaßnahmen sichergestellt. Jedoch werden mit dem Zunehmen dieser Randerscheinungen die Systemstrukturen immer brüchiger und dysfunktionaler. Dadurch entstehen inkohärente, ambivalente und in sich paradoxe hybride Identitäts- sowie Markt- und institutionelle Strukturen, mitunter auch Monster genannt. Hier kann die EU entgegenwirken, indem sie Strukturen und Maßnahmen aufbaut; etwa in Form von Projekten einer breiten Bevölkerung, die derzeit vom Markt ausgeschlossen ist, eine Perspektive liefert. Wenn die Rahmenbedingungen der Marktstrukturen nicht von den staatlichen (nationalen) oder überstaatlichen (z.B. EU-) Strukturen (die dem Wohle der demokratischen Allgemeinheit verpflichtet sind) definiert werden, entsteht unumgänglich eine 80-20 Pareto-Verteilung: Rund 20 % der reichen Monopolisten oder Oligarchen besitzen um die 80 % des Eigentumes. Der Staat und die gesamte EU als Institutionen brauchen einerseits Strukturen zur Regulation der Marktmechanismen, sowie andererseits eine Regulation der eigenen Strukturen, die transparenter, korrupt-freier und nachvollziehbarer sowie individuell gestaltbarer und damit flexibler werden. Eine Spielart wären beispielsweise mehrere Steuermodelle, die sich der Bürger aussuchen kann, sowie mehrere Lebensmodelle (Sozialstaat; Arbeitslose etc. oder mehr Geld, dafür keine Versicherung) bei gleichzeitigem EU-weit ausfinanzierten bedingungslosem Grundeinkommen und andere Verdienstausfallsregulatoren. Der Einzelne könnte sich dann entscheiden: Will er dem Markt (materiellen Geldinteressen), der EU oder seinem Staat (der Allgemeinheit), seiner Tradition (lokaler Kulturkreis, Religion, Tradition, Lebensstil, Milieu, Szene) oder seinem individuellen Wachstum (in welcher Hinsicht auch immer) dienen, oder ein ganzheitliches Modell verfolgen, das alles mit einander holistisch zu kombinieren und verbinden versucht. Allerdings sollte kein Ungleichgewicht zugunsten eines Sektors entstehen, wie dies derzeitig mit den Märkten, Baken und den Konzernen passiert, die andere Bereiche vollkommen dominieren und ihnen ihre Strukturierungsweisen, Mechanismen und ihre Organisationslogik aufzwingen (beispielsweise der Kultur, Bildung, Medien, Pädagogik, Kunst, Politik etc.) sodass sich paradox hybride Identitätsstrukturen herausbilden. Diesen Holismus aus verschiedenen Kulturen, Nationen, Regionen und dem Allgemeinwohl einer europäischen Gemeinschaft könnte die EU als Ideologie verfolgen. Nur wenn sie es schafft, sich in den Dienste der europäischen Allgemeinheit zu stellen und holistisch-ganzheitliche Strukturen dazu herausbildet, die mit jenen der Vorstellungen der Menschen, die sie tragen korrelieren, kann sie sich als eine Gegenkraft zu EU-auflösenden national-reaktionären und allgemeinwohlauflösenden (neoliberalen Märkten) Tendenzen fungieren. Der Staat wird aber von multinationalen Netzwerkstrukturen (EU) abgelöst werden müssen, die den allgemeinen europäischen Interessen (nicht den nationalen Partikularinteressen) dienen sollten. Dazu müssen erst Strukturen und Institutionen gebildet werden, die unabhängig von nationalen Interessen im Sinne der ganzen EU agieren könnten. Die Bewertungen der Arbeit, sowie die Besitzverhältnisse und Zugänge zu allen Ressourcen (kulturell, ökonomisch, sozial, symbolisch etc.) könnten sich dadurch ebenfalls ändern. Das System, sofern es gerecht sein soll, garantiert jedem den gleichen unbeschränkten Zugang zu allen Ressourcen (open source); der Einzelne verpflichtet sich im Gegenzug, das, was er aufgrund dieser Zugängen er-schafft auch wieder der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Aus diesen Prinzipien können sich eine Allgemeinwohlökonomie und überzeugende EU-weite Strukturen herausbilden, die den Menschen als Ideologien attraktiv und einladend genug erscheinen, um sie anzunehmen, zu internalisieren und letztendlich auch glücklich mit und in ihnen zu leben.


Kommentare

aha so kann man es auch sehen

jaxx · 25.11.2011 15:46 · #

Man sollte vielleicht an den Formalismusvorwurf Hegels an die Kantsche Moraliphilosophie denken, wenn man an das Thema “multinationaler Netzwerkstrukturen” herangeht.
Politisch ist man ja immer in der Bredoullie wenn Gerechtigkeit zur Voraussetzung eines Imperativs gemacht wird, der sich dann auf ein Allgemeines bezieht.

Allgemeinwohlökonomie ist ja letztlich trotz allem eine Interessenökonomie.

Ich denke wenn man dieses Problem einarbeitet würde der Text stark gewinnen. Damit soll aber nicht gesagt sein, dass er nicht für sich auch funktioniert. Ein Stück Arbeit jedenfalls.

St.Max · 25.11.2011 18:45 · #

ja welches allegemeinwohl?

jenes das diejenigen, die nicht an der macht sind namentlich der untersten klassen, die keine lobby haben und den wirtschaftsmechanismen derzeit ausgeliefert sind, eine stimme/chance gibt.

Ja das formelle-objektive Gesetz sollte so verfasst sein dass möglichst viele (Allgemeinheit) dadurch ihre subjektiven individuellen Entwürfe, Vorstellungen einerseits generieren und andererseits daraus ableiten können um sich selbst (ihre Vorstellungen, Ideen, Gefühle, Gedanken) ausleben zu können und zweitens sollte das Gesetz falls ihm dies nicht geligen sollte intersubjektiv verhandelbar oder von der demokratischen Mehrheit mittels besserer (rationeller Gründe) diskursiv abänderbar sein.

Was mir vorschwebt ist dass die EU stärker die Zivilgesellschaft, NGOs und andere nicht-nationale Beteiligungen fördert und stärker berücksichtigen musste.

wie soll die Eu- einen sozialen Ausgleich schaffen?

sie versucht schon mittels ökonomischer Eingriffe und Umverteilung, dies ist aber nur Symptombekämpfung solange sie nicht Tragfähige Institutionen und Strukturen aufbaut aus denen sich Identitätsstrukturen und Praktiken der Akteure etablieren können, die nicht auf Konkurrenz um knappe Ressourcen resultieren

Wir sind icht viele nationale Geselslchaften die aus Individuuen die eigeninteressen evrfolgen bestehen = Grund der Krise wir sind eine Gemeinschaft oder Netzwerk dass sich aus Praktiken aufbaut die strukturell reguliert werden können und die konstellativ voneinander abhängig sind da miteinander verknotet…..

marko · 25.11.2011 21:26 · #

Man sollte bei aller Ideologie des Individuums und der Marktgängigkeit des selben doch darauf bestehen, dass der Bürger stets lieber tot als nicht Sklave ist. Der Bezugsrahmen des Textes scheint mir ein wenig zu sehr die rationale Koponente der Moderne zu betonen und sozusagen die Kritik nur der instrumentellen Vernunft aufzuhalsen. Daher scheint die Antwort dann eventuell auch einseitig. Zu begreifen wäre ja die Unbegreiflichkeit der Sache. AntiRousseau wäre vielleicht gefragt. Die Ziviligesellschaft ist im selben Moment demokratisches Regulativ und pogromisierende Masse.

KKraus · 26.11.2011 11:31 · #

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