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Kafka bei den Briten.

von am 09.03.2008 23:43, Rubrik Uni

Als Aster X. eines Morgens aufwachte und sich sich auf den Weg zur Universität machte…


Als Aster X. eines Morgens aufwachte und sich sich auf den Weg zur Universität machte…
Letztens (= ca. den gesamten Februar über) habe ich versucht, auf der Argundlistig (Name von der Redaktion geringfügig verändert) den ersten Abschnitt einzureichen, respektive das Erste Diplomprüfungszeugnis zu erwerben. Nun stellten sich mir schon im Vorfeld logistische Probleme (mit Logik haben die Leute dort sowieso nichts zu tun) derart, dass ja das nette Prüfungsreferat bei seinem eigenen Referat nicht anwesend war, sprich ganze 2 Wochen im Februar (und natürlich die letzten, weil man ja erst dann die Noten bekommt) aufgrund von Umbau geschlossen hatte. Da ich meine letzte (und einzige) Note in diesem Semester allerdings erst Mitte der zweiten Februarwoche in dem sinnvollerweise aktualisierten (= noch unübersichtlicher gemachten) UNIVIS bewundern konnte, blieb mir also nichts über, als die Unterlagen bis Freitag abzugeben, da ich Unpässlichkeiten und Verzögerungen seitens des Prüfungsreferates beforcht (so etwas Ähnliches steht in meinem Finanzamtrückschreiben, das ich ohne mein Erstes Diplomprüfungszeugnis abgeben musste). Die grauen Vorzeichen lassen demnach ein schlechtes Ende vermuten. Gut so.
Da begebe ich mich am Mittwoch also ins Zentralsekretariat der Argundlistig, nachdem ich mich gewissenhaft über die Ferienöffnungszeiten informiert habe (Mo – Fr 10-11 Uhr). Allerdings habe ich anscheinend den mit Schriftgröße 8 geschriebenen Zusatz “außer Mittwochs bei schönem Wetter, sofern die Grashalmlänge nicht über 7 cm beträgt und mehr als 2 käferförmige Wolken am Himmel hängen” übersehen, denn hilflos stehe ich vor der monströsen weißen Tür mit sieben Siegeln , die sich mir weder er- noch aufschließt. Wenigstens gelingt es mir, den kafkaesk verschlungenen Gang mit lauter Türen entlangschreitend, hinter denen Wächter und andere höhere Instanzen sitzen, eines lachsfarbenen (ja, wirklich!) A3-Papieres habhaft zu werden, bei dem in jeder Zeile die Schadenfreude sitzt und auf falsches Ausfüllen hofft. (Erstfach, 2. Abschnitt? Nein, eigentlich Zweitfach, 1. Abschnitt. Aber bei Diplom gibt es doch so etwas gar nicht?) Fast überlege ich schon, mir einen zweiten Bogen zu holen, als eine Aufsichtsperson in Gestalt der Sekretärin (die eindeutig an Identitätsverlust leidet, schließlich sollte sie doch gar nicht im Haus sein!“Heute ist Mittwoch!” will ich ihr zurufen, entscheide mich aber dann doch dagegen und dafür, dass sie sicherlich eine Illusion meinerseits sein muss) mit hochgezogenen Augenbrauen an mir vorbeimarschiert. Ich mache einen großen Bogen darum. Ich verkneife mir ein Wortspiel der bogenlosen Art und begebe mich auf den Weg hinaus, noch benommen von der frühen Stunde.
Zuhause angekommen, schaffe ich es gerade mal den Abschnitt mit “persönliche Daten” auf dem lachsfarbenen Abgabezettel anzugeben, bevor ich aufgebe. Mit einem Papierhaufen, auf den ein Seminararbeitsschreiber neidisch wäre, begebe ich mich also voller neugeschöpfter Hoffnung am darauffolgenden Tag auf mein Lieblingsinstitut. Freudestrahlend strecke ich der postmodern-surrealen Sekretärin mit Identitätsverlustgesicht mein Werk entgegen. Noch bevor ich in den Zustand vorzeitiger Extase übergehe, vernehme ich ein leises Klirren in meinen idyllischen Gedanken. “… erst anrechnen lassen… Morgen Nachmittag… Irgendwann nächste Woche abholen und einreichen…” vernehme ich wie in Trance. Ich habe doch tatsächlich vergessen, mir diesen wunderbaren Kurs von vor zwei (Tausend) Jahren anrechnen zu lassen. Die unwirkliche Schreckgestalt fühlt sich – wahrscheinlich durch mein schreckensbleiches Gesicht – bemüßigt, ein paar aufmunternde Worte zu sagen. Sie eröffnet mir, dass der Zeitpunkt der Abgabe sowieso belanglos sei, da die zuständige Person auf Urlaub und so weiter. Nur mit Mühe kann ich einen sehr realen Wutschrei unterdrücken wie mein Unterbewusstsein.
Zu allem Überfluss ereilt mich am selben Abend ein panischer Anruf: Wissen Sie, dass sie gar nicht zum zweiten Abschnitt zugelassen sind, Ihnen fehlt doch der Prüfungscode –
Selig lege ich den Hörer auf und begebe mich auf mein Traumschloss zurück. Morgen, ja. Morgen. Gewiss.
Falls mich jemand sucht – ich schreibe einen Brief an den Vater.


Kommentare

(wer sich quasi mal wieder den asterixclip dazu geben will: http://youtube.com/watch?v=3L8aFkOXjb8)

Tamara · 21.03.2008 21:26 · #

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